Warum mit Teams Segeln, Bogenschießen oder auf die Berge gehen?
Wie managet sich jeder selbst in einer Extremsituation? So gut ist dein Team in einer Extremsituation.
Teams außerhalb der Komfortzone trainieren
Teamtrainings können mit gutem Gewissen seitens der Personalentwicklung von der Stange ausgesucht und bestellt werden. Die Methoden sind bekannt, die Literatur der Teamübungen ist gut bestückt, aufs Schlagwort werden bekannte Bilder abgerufen, Spiderweb, Outdoor, Teamevents – die Entwicklung von Gruppen sind zum commodity geworden, zur Trainerhandelsware. Auch die Teilnehmer von Teamtrainings haben mittlerweile klare Vorstellungen (positiv oder negative besetzt) vom Teamevent.
Die Unterscheidung zwischen Trainingsanbietern liegt oft – nicht ganz zu unrecht – im noch cooleren Trainerspruch oder der noch unglaublicheren Hintergrundgeschichte („Als ich unlängst selbst mal unter der Lawine war.“)
Das Bekannte kombiniert sich mit dem Beeindruckenden und dem Fröhlichen – nur: Teams entwickeln sie so nicht weiter.
Teams neigen von Haus aus nicht zur Aktivität oder zur Eigeninitiative, die Nivellierung geschieht in der Regel innerhalb der Wohlfühlgrenzen. Teammitglieder versuchen vorerst gestellte Aufgaben mit den vertrauten Verhaltensmustern zu lösen. Ist die Idee der Teamaufgabe von vornherein berechenbar, wird das Teamlernen zur seichten Routine, selbst die ausführliche Reflexion ergibt die sozial gewünschten Antworten an den Trainer. Je nachdem, wie hoch der Fun- oder Wohlfühlfaktor der Übung war, fällt auch Feedback und Erinnerung dazu aus. Unser Fazit: Wohlfühltrainings vergrößern die sogenannte Komfortzone von Gruppen und sind daher ungeeignet zur Entwicklung.
Die Basis geht in ihren Teamtrainings bewusst andere Wege und sucht die Extremsituation. Das hat nicht zwingend mit Gefahr und Spektakel zu tun. Extremsituationen sind vorrangig unbekannt, neuartig und riskant und keine der vorhandenen Bewältigungsstrategien führt zum Erfolg. Ein Reiz in eine bisher unbekannte Richtung kann daher gering ausfallen, um Stress zu erzeugen, beispielsweise ein Lied auf einer Bühne zu singen ist für manche ein Schreckensbild, führt zu Angstschweiß und Ausreden, erst recht, wenn die ganze Gruppe davon betroffen ist. Oder am Segelboot sich mit den neuen Elementen wie Bootskrängung, Seekrankheit, Regattahektik auf engem Raum zu konfrontieren führt den Einzelnen über seine Grenzen hinaus, die Komfortzone wird zum Schrecken aller ohne Vorbereitung übersprungen, es herrscht Stress. Aber genau so wirkungsvoll – im Sinne der Komfortzonengrenze – wirkt der innere Monolog, wenn man bei gespanntem Bogen ein Ziel anvisierst und die einfache Frage reflektierst: „Treffe ich?“ Das Team beginnt erst zu lernen, wenn jeder und jede Einzelne an eigene Grenzen gestoßen ist und die Ruhe für Angst, Ärger und Frustration erhalten hat, ein Luxus und in lauten Actiontrainings gänzlich unbekannt.
Wie sich jeder selbst in der Extremsituation organisiert und managet, so gut ist das gesamte Team in extremis. Für Teamleiter eine ordentliche Überraschung, wer versagt und wer im Spiel bleibt. Und zu allem Überdruss geht die Reflexion, das De-Briefing nicht auf das Einzelverhalten, sondern auf die Führungsperformance. „Kannst du dein Team, deine Einzelplayer in der Extremsituation gut einschätzen, sie gut zu neuen Verhaltensweisen führen, ja, kannst du das Team auf das Unbekannte vorbereiten?
Die Teamtrainings der Basis beinhalten daher erkennbare Grenzen zwischen Komfortzone und dem Neuen. Verhaltensweisen werden beleuchtet, Parameter der Teamleitung werden darauf abgebildet, welches Vorbild wird von der Teamleitung übernommen? Wie werden Fehler, Ängste, Herausforderungen, Möglichkeiten und Anreize im Team gehandhabt? Welche Strukturen der Führung helfen, welche verfestigen ein altes, verkrustendes Verhalten der Gruppe? Mit welchen Menschentypen will man als Führungskraft Neues wagen?
Aus diesem Grund geht die Basis mit ihren Teams auf Regattaboote, lässt sie auf Robin Hoods Spuren den Wald durchstreifen, ein Musikstück auf die Bühne bringen oder die Mühen einer Skitour erleiden.
Autor: Thomas Lenz, MBA